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Ministerium stärkt Reli-Unterricht


Neulich verbreitete das NRW-Schulministerium in einer Presserklärung: „Kulturelle Vielfalt ist Normalität an unseren Schulen. Schülerinnen und Schüler mit und ohne Konfession und unterschiedlichen Glaubens lernen und leben zusammen. Je mehr die Kinder und Jugendlichen übereinander wissen, desto besser gelingt das Zusammenleben und desto fester ist der Boden, auf dem eine demokratische Schulkultur im Sinne des Humanismus, der Aufklärung und der Menschenrechte wachsen kann.“

In Berlin und Brandenburg z.B. erfüllt seit Jahren ein integrativer Ethikunterricht für alle Schüler/innen diese Idee der gemeinsamen Wertebildung. Im „Berliner Modell“ können die Schüler/innen freiwillig zusätzlich ein wertebildendes Unterrichtsfach je nach Bekenntnis- oder Religionszugehörigkeit wählen – so auch die „Humanistische Lebenskunde“.

Anlässlich einer Einladung der katholischen Schulministerin in NRW, Sylvia Löhrmann, hatten sich allerdings die Kirchen- und Religionsvertreter gegenseitig etwas anderes versichert: „Der staatlich verantwortete Religionsunterricht ist somit auch ein wesentlicher Beitrag zur ethischen Bildung junger Menschen. Er trägt dazu bei, dass sie die Kompetenz erwerben, ihr Leben auch in der Verantwortung für andere und für das gesellschaftliche Miteinander zu gestalten.“ In ihrer „Gemeinsame Erklärung zum Religionsunterricht in NRW“ stellten sie immerhin fest, dass „in der Geschichte der Menschheit immer wieder auch Krieg, Unterdrückung und Mord durch Religion begründet worden [ist]. Dies geschah auch im Namen des Christentums.

_DSC9038 - Kopie Bildquelle: MSW NRW

Davon waren in Deutschland nicht nur Juden, sondern auch z.B. die Täufer (heute Mennoniten) während der Reformation tödlich betroffen. Inzwischen haben sie Frieden geschlossen mit den Lutherischen, die 2017 in ihrem Luther-Jubeljahr gut dastehen wollen. Bei der gemeinsamen Erklärung der Religions-Fürsten waren die Mennoniten nicht dabei, aber per Erlass ist ab kommendem Schuljahr zunächst im Schulversuch der „Re­ligionsunterricht nach den Grundsätzen der Mennonitischen Brüderge­meinden in Nordrhein-Westfalen allgemein eingeführt“.

Der Humanistische Verband und andere säkularen Organisationen weisen schon seit längerem auf die systematische Benachteiligung nichtreligiöser Menschen auch in der Schule hin und fordern, diese Diskriminierung zu beenden. Kürzlich hat auch der Fachverband Ethik eine Denkschrift „Ethikunterricht“ vorgelegt und fordert das Recht auf Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses zu beachten.

Obwohl in einzelnen Bundesländern der Ethikunterricht in Schulen vor 40 Jahren eingeführt wurde, erhalten bis heute die meisten religionsfreie Schüler/innen kein weltanschaulich neutrales Unterrichtsangebot. Zum Beispiel wurde in NRW vor Jahren die Lehrplanentwicklung für die „Praktische Philosophie“ in der Grundschule gestoppt. So ist das Recht auf Freiheit des Glaubens für über 100.000 Grund-Schüler/innen nicht viel wert.

Der Humanistische Verband fordert bundesweit die Zulassung „Humanistischer Lebenskunde“ als Unterrichtsfach. Religionsfreie Menschen sind ebenso Steuerzahler wie konfessionelle Bürgerinnen und Bürger. Sie besitzen den gleichen Anspruch auf ethische Unterweisung, solange diese in öffentlichen Schulen angeboten wird – aus allgemeinen Steuergeldern. Dass es vielerorts keine Alternative zum Religionsunterricht gibt, wird von Schüler/innen und Eltern als Benachteiligung wahrgenommen, soweit sie keiner Konfession angehören.

Schulministerin und Religionsvertreter sind sich hingegen einig: „Der Religionsunterricht insgesamt leistet einen aufklärenden Beitrag zur Identitätsbildung und zur Prävention und leitet zur Pluralitätsfähigkeit an. … Er will Schülerinnen und Schüler zur wertschätzenden Beurteilung eigener und fremder religiöser Ausdrucksformen, zur kritischen Bewertung religiös begründeter Handlungsmuster und zur Gestaltung eigener Handlungsoptionen befähigen.“

Dazu könnte „Humanistische Lebenskunde“ in NRW einen Beitrag leisten.

HP.Schulz

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