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Auf der Landesversammlung des Humanistischen Verbandes Nordrhein-Westfalen am 10.11.2018, verabschiedeten die Delegierten diese Resolution:

HVD unterstützt Forderungen nach „Praktischer Philosophie“ in der Grundschule

Die Landesversammlung des Humanistischen Verbandes fordert, die Einführung eines Ethik- oder Philosophieunterrichtes an den Grundschulen nicht halbherzig anzugehen und auf die lange Bank zu schieben.

CDU und FDP haben sich im NRW-Koalitionsvertrag zur Einführung eines Ethikunterrichtes für Kinder verpflichtet, die nicht an einem Religionsunterricht teilnehmen. Sie erklärten: „Neben vielfältigeren religiösen Bekenntnissen ist auch die Anzahl der Familien ohne konfessionelle Bindung angewachsen. Daher werden wir Ethikunterricht an Grundschulen ermöglichen.“

Leider sind bislang seitens des Schulministeriums keinerlei Aktivitäten zur Umsetzung dieses Beschlusses erkennbar.

Das Schulministerium muss nun schnell einen Plan für die Einführung eines neutralen Werteunterrichtes in den Grundschulen vorlegen. Einen brauchbaren Lehrplanentwurf hat der Fachverband Philosophie bereits vorgestellt. Nun müssen die finanziellen Mittel für Lehrkräfte bereitgestellt werden und die Ausbildung dieser Lehrkräfte muss organisiert werden. Erfahrungen aus dem Bereich Praktische Philosophie in der Mittelstufe (Sek. I) liegen vor.

Das Mindestergebnis dieser Legislaturperiode sollte die Einführung dieses Werteunterrichtes in einer größeren Zahl von Pilotschulen sein.

Durch Untätigkeit wird eine unwürdige Situation für betroffene Kinder zementiert. Die Kinder haben ein Anrecht auf einen ordentlichen Werteunterricht in den Schulen. Schülerinnen und Schüler müssen unabhängig vom Elternhaus lernen können, welche Werte und Prinzipien in einer offenen, demokratischen Gesellschaft wichtig sind, und wie sie sich selbst in ihr orientieren.

Wir brauchen diesen Unterricht dringend, damit die große und wachsende Zahl konfessionsfreier Kinder nicht länger außen vor bleibt, wenn es um Werte und Normen geht, um Fragen einer guten und sinnvollen Lebensführung.

Neben 120.000 Grundschulkindern, die keiner Religion angehören, erhalten auch ebenso viele muslimische Kinder keinen solchen Werteunterricht. Gerade ein solcher Unterricht kann den Blick auf unterschiedliche Weltsichten und die gegenseitige Toleranz sehr befördern.

Mit vielen anderen gesellschaftlichen Kräften teilen wir allerdings den weitergehenden Wunsch, dass an einem Werte vermittelnden Ethik- bzw. Philosophieunterricht alle Schülerinnen und Schüler einer Klasse zusammen teilnehmen sollten. Die gegenwärtigen Erfahrungen in Berlin und Brandenburg zeigen uns, dass Philosophie-Unterricht für alle und religiöses Bekenntnis keinen Widerspruch darstellen müssen. Ein verpflichtender Werte-Unterricht für alle Schülerinnen und Schüler dient dem Zusammenleben und nutzt auch Familien, die auf Wunsch weiterhin ein konfessionsgebundenes Unterrichtsangebot wahrnehmen könnten.

Dortmund, 10.11.2018