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Seit gestern findet an Gymnasien in Luxemburg kein Religionsunterricht mehr statt. Damit wurde ein wichtiger Schritt für die Trennung von Kirche und Staat vollzogen.

Mit dem Beginn des neuen Schuljahres wird in Luxemburg eine Reform umgesetzt, die bereits 2014 angekündigt wurde: Der Religionsunterricht als Wahlfach wird durch einen einheitlichen und verpflichtenden Werteunterricht ersetzt. Etwa 40.000 Schülerinnen und Schüler finden damit das neue Fach "Leben und Gesellschaft" in ihrem Stundenplan vor.

Die Ankündigung der Schulreform hatte vor zwei Jahren für Kontroversen gesorgt. Die Bürgerinitiative "Fir de Choix" ("Für die Wahl") befürchtete eine Bevormundung durch den Staat und trat damals für eine Wahlmöglichkeit zwischen Religions- oder Werteunterricht ein. Und auch die Kirchen kritisierten die Pläne. So bezeichnete der Luxemburgische Erzbischof Jean-Claude Hollerich die Reform als "Missachtung der Demokratie".

Trotz Widerstand hielt Bildungsminister Claude Meisch (DP - Demokratische Partei) jedoch an den Plänen der Regierungskoalition von Liberalen, Sozialdemokraten und Grünen unter Ministerpräsident Xavier Bettel fest. Die Einführung des Werteunterrichtes an Gymnasien sei ein "Meilenstein in der Geschichte von Luxemburgs Schulsystem", so Meisch laut lessentiel.lu. Der Kurs soll angeblich fortgesetzt werden: Ab 2017/2018 soll es zu einer weiteren Reform an Grundschulen kommen.

Quelle: Humanistischer Pressedienst am 20. Sep. 2016

Humanistische Lebenskunde fordert der HVD als Alternative zum Religionsunterricht

Religion ist kein Unterricht, dafür plädiert das Info-Portal
Reli Adieu

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Die grün-schwarze Koalition in Baden-Württemberg will den Ethikunterricht in den nächsten vier Jahren bis einschließlich Klassenstufe 5 ausbauen. Im angelaufenen Schuljahr soll ein Bildungsplan für den Ausbau erstellt werden.

Bis zum Jahr 2020 sollen zusätzlich 280 Lehrerstellen geschaffen werden, um das Angebot von Ethikunterricht in den Schulen von Ba-Wü auszuweiten. Der soll aber zukünftig lediglich ein Ersatzfach sein. Religionsunterricht wird demnach der „Normal“- bzw. Regelfall bleiben.

Ähnlich wie in NRW Rund gehört rund ein Viertel der Bevölkerung von Baden-Württemberg keiner Konfession an. Die Mehrheit teilt hingegen humanistische und nichtreligiöse Lebensauffassungen. Mit den Plänen bleibt die grün-schwarze Koalition weit hinter den Erwartungen konfessionsfreier Eltern zurück, die seit langem "Ethikunterricht" ab der ersten Klassenstufe fordern.

Insbesondere gegenüber den Bündnisgrünen habe es hohe Erwartungen gegeben, dass der Ausbau des Ethikunterrichts zügig genug vorangetrieben werde, um mit der sich weltanschaulich wandelnden Landschaft Schritt halten zu können. Das Erreichen dieses Ziels werde durch die zögerlichen Ansätze der Koalition nun auch in der laufenden Legislaturperiode verhindert.

Der ganze Beitrag steht unter humanistisch.net

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Neulich verbreitete das NRW-Schulministerium in einer Presserklärung: „Kulturelle Vielfalt ist Normalität an unseren Schulen. Schülerinnen und Schüler mit und ohne Konfession und unterschiedlichen Glaubens lernen und leben zusammen. Je mehr die Kinder und Jugendlichen übereinander wissen, desto besser gelingt das Zusammenleben und desto fester ist der Boden, auf dem eine demokratische Schulkultur im Sinne des Humanismus, der Aufklärung und der Menschenrechte wachsen kann.“

In Berlin und Brandenburg z.B. erfüllt seit Jahren ein integrativer Ethikunterricht für alle Schüler/innen diese Idee der gemeinsamen Wertebildung. Im „Berliner Modell“ können die Schüler/innen freiwillig zusätzlich ein wertebildendes Unterrichtsfach je nach Bekenntnis- oder Religionszugehörigkeit wählen – so auch die „Humanistische Lebenskunde“.

Anlässlich einer Einladung der katholischen Schulministerin in NRW, Sylvia Löhrmann, hatten sich allerdings die Kirchen- und Religionsvertreter gegenseitig etwas anderes versichert: „Der staatlich verantwortete Religionsunterricht ist somit auch ein wesentlicher Beitrag zur ethischen Bildung junger Menschen. Er trägt dazu bei, dass sie die Kompetenz erwerben, ihr Leben auch in der Verantwortung für andere und für das gesellschaftliche Miteinander zu gestalten.“ In ihrer „Gemeinsame Erklärung zum Religionsunterricht in NRW“ stellten sie immerhin fest, dass „in der Geschichte der Menschheit immer wieder auch Krieg, Unterdrückung und Mord durch Religion begründet worden [ist]. Dies geschah auch im Namen des Christentums.

_DSC9038 - Kopie Bildquelle: MSW NRW

Davon waren in Deutschland nicht nur Juden, sondern auch z.B. die Täufer (heute Mennoniten) während der Reformation tödlich betroffen. Inzwischen haben sie Frieden geschlossen mit den Lutherischen, die 2017 in ihrem Luther-Jubeljahr gut dastehen wollen. Bei der gemeinsamen Erklärung der Religions-Fürsten waren die Mennoniten nicht dabei, aber per Erlass ist ab kommendem Schuljahr zunächst im Schulversuch der „Re­ligionsunterricht nach den Grundsätzen der Mennonitischen Brüderge­meinden in Nordrhein-Westfalen allgemein eingeführt“.

Der Humanistische Verband und andere säkularen Organisationen weisen schon seit längerem auf die systematische Benachteiligung nichtreligiöser Menschen auch in der Schule hin und fordern, diese Diskriminierung zu beenden. Kürzlich hat auch der Fachverband Ethik eine Denkschrift „Ethikunterricht“ vorgelegt und fordert das Recht auf Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses zu beachten.

Obwohl in einzelnen Bundesländern der Ethikunterricht in Schulen vor 40 Jahren eingeführt wurde, erhalten bis heute die meisten religionsfreie Schüler/innen kein weltanschaulich neutrales Unterrichtsangebot. Zum Beispiel wurde in NRW vor Jahren die Lehrplanentwicklung für die „Praktische Philosophie“ in der Grundschule gestoppt. So ist das Recht auf Freiheit des Glaubens für über 100.000 Grund-Schüler/innen nicht viel wert.

Der Humanistische Verband fordert bundesweit die Zulassung „Humanistischer Lebenskunde“ als Unterrichtsfach. Religionsfreie Menschen sind ebenso Steuerzahler wie konfessionelle Bürgerinnen und Bürger. Sie besitzen den gleichen Anspruch auf ethische Unterweisung, solange diese in öffentlichen Schulen angeboten wird – aus allgemeinen Steuergeldern. Dass es vielerorts keine Alternative zum Religionsunterricht gibt, wird von Schüler/innen und Eltern als Benachteiligung wahrgenommen, soweit sie keiner Konfession angehören.

Schulministerin und Religionsvertreter sind sich hingegen einig: „Der Religionsunterricht insgesamt leistet einen aufklärenden Beitrag zur Identitätsbildung und zur Prävention und leitet zur Pluralitätsfähigkeit an. … Er will Schülerinnen und Schüler zur wertschätzenden Beurteilung eigener und fremder religiöser Ausdrucksformen, zur kritischen Bewertung religiös begründeter Handlungsmuster und zur Gestaltung eigener Handlungsoptionen befähigen.“

Dazu könnte „Humanistische Lebenskunde“ in NRW einen Beitrag leisten.

HP.Schulz

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Schulgottesdienste vermitteln religiöse Erfahrungen, die den Religionsunterricht und das Schulleben sinnvoll ergänzen.“ So heißt es im Erlass des Schulministeriums NRW zum Schulgottesdienst vom Juni 2016. Aber eine „sinnvolle Ergänzung des Schullebens“ ist auch ohne Gottesbezug möglich.

Im bildungportal.nrw.de ist zu lesen: „Religiöse Feste im schulischen Alltag bieten Kindern und Jugendlichen vielfältige Möglichkeiten, in Gemeinschaft zu feiern.“ Auch Fächer und Jahrgänge übergreifendes sowie gemeinsames Lernen wird allenthalben propagiert und von der Schulaufsicht eingefordert, jedoch auf der Ebene der Bekenntnisse der Schüler/innen gilt dies offenbar nicht. Denn laut Erlass ist „die Teilnahme am Schulgottesdienst … nicht verpflichtend“ und dergleichen Veranstaltungen „bleiben in der Regel den bekenntnisangehörigen Schülerinnen und Schülern vorbehalten“. Für die Teilnahme am Schulgottesdienst werden allerdings Schülerfahrt-Kosten erstattet. Für die einschlägige Vorschrift findet der an einem „Unterrichtsort“ statt. Für alle die nicht teilnehmen mögen, bestimmt der Erlass: „Für die Zeit des Schulgottesdienstes besteht die Aufsichtspflicht der Schule“; böse Zungen sprechen von „Heiden hüten“.

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Wie könnten Alternativen aussehen?

Im letzten Jahr konnte der Humanistische Verband eine erhöhte Anzahl von Eltern registrieren, die sich mit Bitte um Rat an den Verband gewandt haben. Zum einen ging es darum, ob Kinder verpflichtet sind, an diesen ja eher außerschulischen Veranstaltungen teilzunehmen, zum anderen gab es vermehrt Nachfragen, ob es denn Alternativen zum Einschulungsgottesdienst gäbe.

In NRW sind bald 30 % der Bevölkerung konfessionsfrei. Daher sollte es an öffentlichen Schulen auch Angebote für Werte orientierte Erfahrungsangebote für konfessionsfreie Schüler/innen geben. Von daher könnte es durchaus eine „Nachfrage“ für eine Humanistische Einschulungsfeier geben. Alle Mädchen und Jungen, die nicht den Gottesdienst besuchen wollen, könnten an einer weltlichen Feier zur Einschulung teilnehmen - unabhängig von ihrer religiösen Herkunft.

Damit wurden z.B. in Niedersachsen gute Erfahrungen gemacht. Ein humorvolles, kurzweiliges und besinnliches Programm stieß bei Kindern und Eltern auf große Zustimmung und Interesse.

HP.Schulz

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